Social Media & Neukundenakquise, Interview mit einem ‘Digital Native’

Social Media und Neukundenakquise

Lesezeit: ca 11 min

Heute feiere ich Premiere: das erste Interview auf meinem Blog :)

Hierfür habe ich mich mit Florian Simeth zusammen geschlossen, den ich über eine der Gruppen auf XING kennen und schätzen gelernt habe. Florian beeindruckt mich, weil er das ist, was man wohl auf Neudeutsch einen klassischen ‘Serial-Entrepreneur’ bezeichnen würde. Das heißt, dass Florian ständig an neuen Ideen ‘bastelt’. Auch und gerade als Entrepreneur muss man natürlich seine Dienste/Produkte bewerben. Wie wir wissen, gibt es dafür verschiedenste Möglichkeiten. Man kann Florian wohl mit Recht als ‘Social Media bzw Online-Tüftler’ bezeichnen, der gerade auf diese Medien zurück greift, um Werbung für sich und sein Angebot zu machen. Mehr wird Euch nun Florian selber erzählen. Ich bin sicher, dass es für alle Leser mit Interesse an Neukundenakquise per Social Media ein sehr nützliches und interessantes Interview sein wird.

David: Florian, stell Dich doch den Lesern kurz vor.

Florian: Servus David. Herzlichen Dank für das Interview-Angebot. Das freut mich immer riesig, wenn ich irgendwo einfach “labern” darf :) Ich bin 26 Jahre jung, komme ursprünglich von der Hauptschule (was ziemlich viele komischerweise nicht glauben). Ich war sogar mal kurz auf der Realschule aber da bin ich dann runtergeflogen weil ich in Mathe keine Leuchte war. Ich lernte einen ordentlichen Beruf. Den des Elektrikers. Das war mir nach verkürzter Lehrzeit dann allerdings zu langweilig. Weitermachen hieß die Devise. Ich holte mein Abi auf dem zweitem Bildungsweg nach, machte noch Zivildienst und zack: schon war ich an der Hochschule und studierte Medientechnik. Genau das, was mich seit meinem 14 Lebensjahr begeisterte: Websites designen und programmieren fürs Internet (in Mathe war ich dann übrigens auch besser :) ).

Mit 15 Jahren hatte ich meine eigene kleine Firma, weil ich ins Gästebuch (ja, so etwas gab’s damals noch) unserer Gemeindewebsite schrieb: “Eure Website ist scheiße!”. Abends kam eine Mail in der stand: “Mach’s doch besser!”. Und das hab ich dann getan. [Kommentar David: Hahahaha! Genial! :) ] Knapp 9 Jahre lang gestaltete ich immer wieder Websites. Vorwiegend für Ferienwohnungen. Dann konzentrierte ich mich auf das Studium und mein Auslandssemester in Australien. Dort fing ich an, nachzudenken. Mit dem Buch “Die 4 Stunden Woche” von Tim Ferriss war es dann um mich geschehen und ich entschied mich gleich wieder selbständig zu werden. Diesmal richtig.

Nun hast Du ja verschiedene Projekte am Laufen, die Du in bester Entrepreneur-Manier hochziehst. Liste diese doch kurz für uns auf.

- www.vieltee.de – Das ist ein Teeladen im Internet, wenn man so will. Man kann aus ungefähr 100 Teesorten seine eigene Teebox zusammenstellen.
- www.social2business.com – Wir (vor allem meine Freundin) hat sich auf Social Media Marketing spezialisiert. Ich mach alles darum herum (Facebook-App Entwicklungen, etc.) während sie sich um das Marketing kümmert.
- buymyday.net – Ich verkaufe mein Leben im Internet. Das heißt: jeden Tag gibt’s einen Blogbeitrag, ein Video für YouTube, ein Foto für Flickr und Messages für Twitter und Facebook zu einem zuvor festgelegten Preis, der sich nach der Zahl des jeweiligen Kalendertages richtet (also 1 € am 1.1. und maximal 365 € am 31.12).
- www.hangout-lifestyle.de – Der Blog, in dem ich über all die oben genannten Dinge schreibe. Wie wird man “reich”? Welche Methoden gibt es um Geld zu verdienen? Warum soll man überhaupt ein Entrepreneur werden? Und und und…
- Eine Nischenseite. Die möchte ich noch nicht öffentlich nennen.
- Und eine weitere Website die sich auch noch im Aufbau befindet.

Lass uns an dieser Stelle einen Fokus auf BuyMyDay legen. Hier suchst Du ja nicht für Dich Kunden, sondern Kunden für Deine Kunden. Interessant. Wie gehst Du hierbei vor?

In erster Linie ist es natürlich schon so, dass wir Kunden für uns suchen. Nur wenn wir Kunden haben, können wir auch etwas für diesen Kunden tun.

Wie wir vorgehen hängt individuell vom Kunden ab. Wir hatten zum Beispiel einen Kunden der wollte, dass wir sein Produkt verschenken. Innerhalb weniger Stunden konnten wir durch ein Gewinnspiel seine Fananzahl bei Facebook verdoppeln.

Bei einem anderen Kunden wiederum halfen wir bei einer Jobsuche. Hier machten wir eine kleine Promoaktion auf XING, obwohl wir das eigentlich nicht im Portfolio haben.

Es kommt drauf an, was der Kunde will. Insgesamt erstellen wir immer einen Blogbeitrag, der mit den Keywords verknüpft ist. Genauso geschieht das mit den Videos, den Fotos und den Textnachrichten. Das hat den Vorteil, dass die Fundstellen bei Suchmaschinen massiv erweitert werden. Man stelle sich vor: viele sind einfach über die YouTube-Videos auf uns aufmerksam geworden obwohl sie nach einem anderen Begriff und nicht nach “BuyMyDay” gesucht haben.

Das heißt: wir machen nicht nur Videos und Fotos, weil diese toll aussehen, sondern weil sie dem Kunden längerfristig im Netz erhalten bleiben. Hinter der Thematik steckt also eine Backlink- oder (wenn man so will) Social Media Strategie. Da Portale wie YouTube und Flickr allgemein sehr hoch bewertet werden ist klar, dass der Kunde langfristig einen Mehrwert davon hat. Auch wenn er “nur” einen Tag auf der Startseite sichtbar ist.

Du setzt sehr stark auf Social Media. Wieso?

Wenn man in der letzten Woche die Geschichte mit Herrn zu Guttenberg beobachtet hat, weiß man, dass die dortige Gruppe “Wir wollen Guttenberg zurück” über Nacht knapp 250’000 Fans aufgebaut hat. Die Reichweite steigt exponentiell, wenn man die richtige “Werbebotschaft rausposaunt” und wenn das ganze dadurch in die Medien getragen wird. Ich bin 26 Jahre alt und würde mich selbst als ‘Digital Native’ bezeichnen. Wir merken an uns selbst, dass wir keine Bannerwerbung anschauen. Geschweige denn anklicken. Durch Social Media erhalten wir die Möglichkeit nicht nur eine Werbebotschaft zu formulieren sondern natürlich auch Antworten zu bekommen. Social Media übernimmt für uns die Funktion eines Rückkanals. Wir können die Meinungen dann an den Kunden weitervermitteln oder selbst antworten. Dazu kommt: Es macht einfach Spaß! :)

Nun können interessierte Firmen ja Tage in Deinem Kalender kaufen und Du machst an diesen Tagen Werbung für dieses Unternehmen am jeweiligen Tag. Würdest Du sagen, dass alle Social Medien für alle Unternehmen Sinn machen, zumindest die ‘großen und bekannten’ Plattformen?

Nein, mit Sicherheit nicht. Wie gesagt: es kommt drauf an, was man erreichen will. Gerade im B2B-Bereich ist es schwierig.

Was soll zum Beispiel ein Metzger einem anderen Metzger via Facbook schreiben!? :) Er könnte aber XING nutzen um private Nachrichten zu schreiben und sich in seinem Netzwerk auszutauschen. Das hängt ganz vom Einzelfall ab.

Ich mag BuyMyDay, weil vor allem auch unbekannte Firmen hier Werbung schalten. Firmen, von denen man überhaupt noch nie etwas gehört hat, die aber echt coole Konzepte haben. Ich möchte diesen Unternehmen helfen. Wir merken selber, dass es sehr schwierig ist, in die Medien zu kommen ohne mehrere tausend Euro ausgeben zu müssen. Wir verzichten komplett auf das alles und bieten unseren Kunden viel Werbung für wenig Geld an. Man zahlt ja maximal 365 Euro für einen Tag.

Wo siehst Du die Grenzen von Social Media bzw. bei welcher Art von Kunden würdest Du sagen, dass Social Media keinen Sinn macht, um neue Kunden zu finden?

Generell sehe ich keine Grenzen. Viele Menschen haben bloß noch nicht kapiert, dass es wirklich funktionieren kann und was alles möglich ist. Wir suchen zum Beispiel offline überhaupt keine Neukunden. Wie auch? Sollte ich die Leute in der Region anrufen? Oder aus Deutschland, Österreich, Schweiz? Oder gleich die ganze Welt? Man erreicht online eben viel mehr Menschen als nur offline in der Umgebung.

Auch wenn man sich offline kennenlernt (dagegen spricht ja überhaupt nichts). Irgendwann fragt man dann doch noch: “Hey, bist du nicht bei XING, bei Facebook…” oder “Wie lautet denn deine E-Mail-Adresse?”.

Social Media wird bei all denjenigen nicht funktionieren, die nicht verstehen, wie Social Media funktioniert. Wir haben einen Kunden der glaubte, wenn er bei Facebook sei, werden seine Zugriffszahlen auf der Website förmlich explodieren. Das ist natürlich nicht der Fall. Der Grund ist ganz banal: man leitet die Leute viel zielgerichteter auf die Website. Diese bleiben dann viel länger, kümmern sich aber eventuell nicht um den Rest der Website.

Zweites Problem: Die Unternehmer wissen nicht, dass man vorher etwas “geben” muss damit man später wieder etwas “nehmen” kann. Viele meinen, wenn sie ständig einfach schreiben “Das Wetter ist heute wieder schön”, dass die User darauf reagieren. Und nach zwei Wochen geben sie es auf, “weil es nix bringt”.

Welche der mittlerweilen durchaus zahlreichen Plattformen findest Du am wirkungsvollsten bei der Kundenakquise? Wieso?

Für mich ist generell das Internet als Plattform als solches interessant. Bei XING erreiche ich viele Unternehmer nur dann, wenn ich in einschlägigen Foren etwas im Zusammenhang von BuyMyDay poste. Bei Facebook bekommen wir teilweise Neukunden einfach dadurch, weil die Freunde der Freunde sehen, dass wir etwas über das Unternehmen des Bekannten gemacht haben. Die meisten Interessenten kommen wirklich über Mundpropaganda. Und das funktioniert online ja sehr gut.

Wo siehst Du die 2-3 größten Vorteile von twitter, facebook & Co im Vergleich zur ‘klassischen Kundenakquise’ per Telefon, Werbung etc?

- Ich bin ja absolut keiner, der gerne Leute “abtelefoniert” und versucht, denen etwas zu verkaufen. Da bin ich spätestens nach dem vierten Anruf absolut down. Das ist schlecht für mein Gemüt, weil ich dann überhaupt keinen Bock mehr habe, weiter zu machen.

- Gerade für BuyMyDay möchten wir ja auch die Leute erreichen, die sowieso auch online sind. Und diese Leute wollen ja auch wieder die Kunden erreichen, die online sind = WinWin-Situation.

- Ich will nicht sagen, dass klassische Werbung schlecht ist. Für uns ist es die einfachste und schnellste Methode an Neukunden zu kommen. Wir wollen aber für social2business demnächst mal eine kleine Werbeanzeige in einer regionalen Zeitschrift schalten. Mal sehen, wie das wird. Erfahrungsgemäß bringt es aber nicht viel. Wir werden sehen. Die Erfahrung muss wohl jeder für sich machen.

- Gleichzeitig setzen wir auf Seminare, Workshops und Vorträge, da wir uns dort als Experten bekannter machen können. Der nächste Vortrag findet übrigens in der Nähe von Passau statt. Es dürfen nur Frauen kommen (leider). Hier der Link: http://www.ah-unternehmensberaterin.de/unternehmerinnenabende.html

Was würdest Du jemanden empfehlen, der gerade anfängt, sich mit Social Media zu beschäftigen und am Überlegen ist, dies als eine weitere Art der Kundenakquise zu integrieren?

Einfach mal probieren und vor allem: durchhalten. Der Erfolg kommt eben nicht schon von heute auf morgen weil ich einen Inhalt ins Internet gestellt hat. Dass dieser Inhalt überhaupt online ist weiß erst einmal keiner (in den meisten Fällen nichtmal Google). Es dauert sehr lange, unter Umständen mehr als ein Jahr, bis man sich eine kleine Community aufgebaut hat, von der man auch profitieren kann.

Nun betreibst Du ja im Namen Deiner Kunden bei BuyMyDay hauptsächlich, wenn nicht gar ausschließlich, Werbung online, greifst also nicht zum Telefonhörer etc. Hast Du in der Vergangenheit selber je Erfahrungen mit anderen Vorgehensweisen wie Telefonakquise etc gemacht?

Wir haben für social2business alle Hotels, Gasthäuser und Unternehmen abgeklappert, angerufen und sind sogar vorbeigefahren und haben uns persönlich präsentiert. Allerdings mussten wir feststellen dass es nicht klappte. Viel Zeitaufwand (vor allem das Präsentieren) und fast kein Erfolg. Bei BuyMyDay wird erst dann telefoniert, wenn der Kunde rückfragen hat. Das spart Zeit, Nerven und auch Kosten. Das ist auch der Grund, warum wir alles selber machen. Von der Ideenfindung bis zum Dreh und Schnitt des Videomaterials. Bei 365 Projekten pro Jahr muss man einfach definieren, wo die Prioritäten liegen müssen.

Ist nun das Modell Social Media Deines Erachtens ‘der neue Königsweg’ in unserer online geprägten Welt ist?

Nein. Auch hier kommt es darauf an, was man erreichen will. Viele – und ich denke Du bist selbst einer davon – sind ziemlich erfolgreich, wenn sie Kunden anrufen und etwas verkaufen. Ich habe das nie gelernt und ich mag das ehrlich gesagt auch nicht. Ich habe mal mit einem Freund aus der Schweiz telefoniert der gesagt hat, dass er Telefonakquise liebt. Kann ich absolut nicht nachvollziehen, aber: jedem das seine, nicht wahr? :)

Welche 1-2 Vorgehensweisen haben (derzeit) den für Dich größten Erfolg? Wieso?

Zum einen: Kontakte und Gruppen bei XING, weil ich auf mich und die Idee aufmerksam mache. Dabei entsteht automatisch der zweite Punkt: Mundpropaganda. Aber das kann man ja eher weniger steuern.

Wovon sollte man Deiner Erfahrung nach die Finger lassen? Wieso?

Von zwielichtigen Gestalten :) Spaß beiseite. Man sollte zum Beispiel nicht willkürlich Freunde aufbauen so wie es einige tun und “rumspammen”. Da gab’s vor nicht allzu langer Zeit mal einen schönen Kommentar von Norbert. Artikel: Berta und Social Media.

Ich habe beim Twitter-Account von BuyMyDay selbst lange probiert einfach sinnlos Leute als Kontakte hinzu zu fügen. Glaubst Du, es hat etwas gebracht? :)

- Wichtig ist, dass man für die Menschen “da” ist.
- Dass man regelmäßig Kontakt hält und sein Netzwerk pflegt.
- Service ist das A und O.
- Man sollte Lösungen präsentieren und nicht auf Probleme hinweisen.

Wenn Dich nun jemand erreichen will um Tage bei BuyMyDay zu buchen: wie macht man das am Besten?

Um einen Tag zu buchen muss man im Kalender auf www.BuyMyDay.net einen Tag auswählen und diesen kaufen und fertig :) Ansonsten natürlich per E-Mail, Facebook, Xing, Twitter, Telefon, Fax, Skype, … :)

Florian, herzlichen Dank für Deine Antworten und dass Du für das Interview zur Verfügung gestanden bist. Es ist immer wieder hilfreich, Tipps und Erfahrungsberichte von Leuten zu erhalten, die nicht nur davon reden, sondern tagtäglich damit erfolgreich agieren. Ich freue mich auf weiteren Kontakt mit Dir!

Danke David. Das waren echt gewiefte Fragen. Toll! Ich hoffe, Du kannst Deine anderen Interviewpartner auch so gut ausquetschen wie mich :) Und ich freue mich ganz besonders, wenn Du wieder mal in Deutschland bist :)


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4 Responses to Social Media & Neukundenakquise, Interview mit einem ‘Digital Native’

  1. Florian says:

    Servus David,

    ist ja ewig lange geworden. Reicht die Lesezeit von 11 Minuten? :-)

  2. Viele wissen nicht, dass man auch in Sozialen Netzwerken vorher etwas “geben” muss damit man später wieder etwas “nehmen” kann. Viele meinen, wenn sie ständig einfach schreiben “Das Wetter ist heute wieder schön”, dass die User darauf reagieren. Und nach zwei Wochen geben sie es auf, “weil es nix bringt”.
    - Da stimme ich 100%ig zu!

    Gleichzeitig setzen wir auf Seminare, Workshops und Vorträge, da wir uns dort als Experten bekannter machen können

    Kontakte und Gruppen bei XING, weil ich auf mich und die Idee aufmerksam mache. Dabei entsteht automatisch der zweite Punkt: Mundpropaganda.

    Wichtig ist, dass man danach für die Menschen “da” ist.
    - Dass man regelmäßig Kontakt hält und sein Netzwerk pflegt.
    - Service ist das A und O.
    - Man sollte Lösungen präsentieren und nicht auf Probleme hinweisen.

    • Hallo Herr Hess,

      Sie dürfen sich natürlich gerne noch mehr einbringen, also inwiefern Sie Florians Statements durch eigene Erfahrungen unterstützen können. Ihrer Webseite zufolge scheinen Sie ja durchaus Ahnung vom Thema Social Media zu haben.

      Ich freue mich auf weitere Kommentare!

      Beste Grüße,
      David

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